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CHENTHAYTRAVEL - YINJOCK - ONLINEMELDUNG |
Date: 31.08.2004 / Jahrgang 07 / Ausgabe 075 |
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Gemächlich
unterwegs im grünen Norden von Thailand
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der Reisebus am Ortseingang der nordthailändischen Kleinstadt Chiang
Khong auftaucht, füllt sich der staubige, kleine Busparkplatz schlagartig
mit Leben. Die Männer, die im Schatten vor der Mittagshitze Zuflucht
gesucht haben, springen auf: "Tuk-Tuk!", "Minibus!",
rufen sie wild durcheinander. Sobald die Ankömmlinge in ihren Reiseführern
die für sie zumeist unaussprechlichen Namen der Gästehäuser gefunden
und artikuliert haben, werden sie zu den verschiedenen Fahrzeugen
dirigiert. Seit immer mehr zahlungskräftige Touristen in den grünen Norden von Thailand kommen, ernähren mehr und mehr einheimische Männer sich und ihre Familien, indem sie Leute durch die Gegend fahren. Hier im hügeligen Chiang Khong sind nur Tuk-Tuks und Minibusse unterwegs. Eine Fahrt kostet 40 Baht - weniger als ein Euro. Die Kleinstadt Chiang Khong liegt im berühmt-berüchtigten "Goldenen Dreieck", dem Dreiländereck von Burma, Laos und Thailand. Angeblich sollen in diesem Gebiet drei Viertel des Opiums auf der Welt produziert werden - in Wahrheit sprießen statt Opiumpflanzen jedoch vor allem Souvenirläden aus dem Boden. In den beiden größten Städten Nord-Thailands, Chiang Mai und Chiang Rai, werden an jeder Straßenecke organisierte Fahrten zum Tor mit der Aufschrift "Golden Triangle" am Zusammenfluss von Mekong und Mae Sai angeboten. In Chiang Khong geht es gelassen zu. Es gibt ein paar schöne Tempel (sehenswert sind das Wat Phra Kaew und das Wat Sob Som), nette, überwiegend einfache Gästehäuser, ein paar Geschäfte, einige Restaurants und Garküchen, wenige Internetcafés, aber dafür ringsum sanfte, grüne Hügel, soweit das Auge reicht. Und natürlich den Mekong, die natürliche Grenze zu Laos, ein brauner Fluss, der sich träge dahinwälzt. Ein deutsches Pärchen hat sich in seinem Reiseführer ein entlegenes Gästehaus ausgesucht und einen Fahrer gefunden, der sie dorthin bringt. Die beiden Reisenden sitzen sich auf der Ladefläche des Songthaews auf niedrigen Bänken gegenüber und schwitzen aus allen Poren. Nach und nach leert sich der Platz. Der Fahrer, der sie zuvor zum Einsteigen gedrängelt hat, hat es jetzt überhaupt nicht mehr eilig. Nach einer halben Stunde - die beiden beginnen schon zu nörgeln - erscheint eine junge Thailänderin mit prall gefüllten Taschen, grüßt kurz und steigt auf den Beifahrersitz. Nun fährt der Besitzer des Minibusses los. Unterwegs nutzt er die Gelegenheit, verschiedene Dinge zu erledigen: Er hält vor einem Geschäft und macht ein paar schnelle Besorgungen; einige hundert Meter weiter hält er an einem Haus, hupt einmal laut und überreicht dem kleinen Jungen, der herausspringt, eine Tüte mit Lebensmitteln; Einheimische, die bereits an der Straße auf den Minibus gewartet hatten, steigen zu und wieder aus - kein Weg wird umsonst zurückgelegt. Das junge Pärchen ist froh, als es schließlich vor dem Gästehaus abgesetzt wird. Der Fahrer freut sich ebenfalls, denn er kann ein paar neue Reisende mit zurück zur Busstation nehmen. Dort harrt er aus, bis in ein paar Stunden der nächste Reisebus ankommt. In der Umgebung von Chiang Khong liegen viele Dörfer der so genannten "Weißen Hmong". Wer früh genug aufsteht und vor sieben Uhr auf den Morgenmarkt von Chiang Khong geht, kann sich von einem in die Berge zurückkehrenden Pickup in eines der Dörfer mitnehmen lassen. Die Hmong bilden mit rund 70 000 Menschen die zweitgrößte Gruppe der Bergstämme in Nord-Thailand. Sie sind Ende des 19. Jahrhunderts von Tibet über China hierher gekommen und leben vom Feldbau. Sie halten fest an ihrem Geisterglauben und ihrer eigenen Sprache. Viele der älteren Frauen tragen noch ihre Tracht mit Turbanen, dunklen Hosen und bunten bestickten Schürzen. Die Zivilisation hat jedoch auch vor den "Weißen Hmong" nicht halt gemacht. Wer im Dorf einen Pickup besitzt, so rostig und klapprig er auch sein mag, hat ein sicheres Einkommen, ein Haus aus Stein und manchmal sogar einen Fernseher. Mit dem Pickup werden nicht nur die Feldarbeiter auf die Trockenreisfelder und Ananas- oder Orangenplantagen gebracht, sondern auch die Waren zu den Märkten transportiert. Dort dienen die Ladeflächen der Fahrzeuge dann gleichzeitig als Marktstände - und am Ende des Markttages sitzen darauf abenteuerlustige Rucksacktouristen, die mit in die Berge fahren, um sich das Dorfleben anzusehen. Meist müssen sie nur die halbe Strecke wieder zurück wandern, weil sie sich darauf verlassen können, dass irgendein freundlicher Thai des Weges kommt und sie mit nach Chiang Khong nimmt. Im Land der Tuk-Tuks, Songthaews und Pickups kommt man eben überall hin. Anreise: Nach
Nord-Thailand fliegt man am günstigsten mit Thai Airways mit
Zwischenstopp in Bangkok. Flüge von Frankfurt nach Chiang Mai sind ab 823
Euro zu haben. Von der Arcade Bus Station in Chiang Mai geht es dann für
rund 2,50 Euro in lokalen Bussen oder für fünf Euro in klimatisierten
Bussen weiter nach Chiang Khong. Einen Leihwagen kann man etwa bei Avis
oder Hertz vorbestellen. (c) DIE WELT, Artikel erschienen am Fr, 27. August 2004 |